Presse-Echo 2007

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Studenten mit viel Taktgefühl

Die beiden Dirigenten Alexander Fay und Lilly Neufeld kurz vor dem Auftritt: an diesem Abend standen sie neben Routiniers wie Rolf Stahlhofen auf einer Bühne.   Bild: Tröster

Dirigenten der Musikhochschule beim Jubiläumskonzert

„Die Herausforderung beim Dirigieren ist ein richtiges Zusammenspiel aller Musiker“, erklärt der Schulmusikstudent Alexander Fay, 23. „Nicht ganz“, ergänzt ihn seine Kommilitonin Lilly Neufeld, ebenfalls Studentin der Musikhochschule Mannheim. „Es muss nicht nur das Zusammenspiel klappen, sondern es muss sich auch gut anhören“, schmunzelt die in Kasachstan geborene Dirigentin und man hört ein wenig die Aufregung in ihrer Stimme. Denn noch am selben Abend hieß es für Lilly und Alexander: ab auf die Bühne.

Die beiden Studenten stellten am Wochenende auf dem Konzert vom „collegium musicum“ zum Stadtjubiläum neben Stars wie Bülent Ceylan und Rolf Stahlhofen ihr Talent unter Beweis. Wie kommt man als junger Mensch auf die Idee, seinen Samstag Abend damit zu verbringen, das „collegium musicum“ zu dirigieren? Ihre Musikalität entdeckten die zwei Studenten schon sehr früh. Lilly begann im Alter von sechs Jahren damit, ihre Freizeit mit der Musik zu gestalten und erlernte bis heute Klavier, Oboe und Gitarre. „Mir war schon sehr früh klar, dass ich mein größtes Hobby zu meinem Beruf machen wollte“, sagt Lilly.

Auch Alexander Fay spielt Klavier und Karinette und erzählt, dass es im Grundstudium für Schulmusik Pflicht ist, sich mit dem Dirigieren zu befassen. Nun ist es eins der Leistungsfächer der Studenten, die beide im siebten Semester studieren mit der Absicht, Musiklehrer am Gymnasium zu werden. Dennoch gibt man nicht nur den Takt an, die Macht des Taktstocks bedeutet auch Verantwortung: „Wenn was schief geht, ist im Zweifelsfall immer der Dirigent dran Schuld“, sagt Fay. Zwar haben die zwei Studenten kein festes Ensemble, mit welchem sie regelmäßig üben können, dennoch haben sie sich gut auf ihren Auftritt im Capitol vorbereitet. „Das ganze siebte Semester haben wir für diese Aufführung geprobt. Zuerst haben wir uns das Stück selbst erarbeitet, dann mit dem 40-köpfigen Orchester immer wieder geübt“, erzählt Neufeld.

Unter der musikalischen Leitung von Matthias Andresen machten sie vor dem Sinfonieorchester, welches sich aus Studenten der Musikhochschule und Musikfreunden aus dem Rhein-Neckar-Gebiet zusammen setzt, eine gute Figur.   sjm

© Mannheimer Morgen, 07.02.2007.


MIT DER ROHRZANGE

Bülent Ceylan und das Collegium Musicum

VON UNSEREM MITARBEITER GERD KOWA

Mit einer Rohrzange kann man doch kein Orchester dirigieren. Der Mannheimer Kabarettist und Comedian, der unvergleichliche Bülent Ceylan, versuchte es im Capitol. Und das erst nach 22 Uhr, nachdem sich die Musiker des Collegium Musicum, die Sänger Rolf Stahhofen und Peter Baltruschat und die Band Popforscher müde gegeigt, geblasen, gesungen und gezupft hatten. Beethovens Coreolan und Egmont gingen baden.

Bei dem Konzert „Rund um Mannheim“, einem weiteren Beitrag zum Stadtjubläum, vermuteten einige Besucher, es handle sich beim Collegium Musicum um das Sinfonieorcherster der Mannheimer Musikhochschule und wunderten sich ein wenig. Das Collegium Musicum hat mit dem von Klaus Arp geleiteten Sinfonieorchester der Hochschule aber nichts zu tun. Es handelt sich hier um das ehemalige Universitätsorchester, in dem musikbegeisterte Studenten aller möglichen Couleurs spielten. Im Jahre 2001 trennte sich das Ensemble von der Mannheimer Universität. Matthies Andresen, ein junger Dirigent und hoch begabter Komponist, übernahm die Leitung.

Die Musikhochschule bot eine Zusammenarbeit an, indem sie Dirigierstudenten und Instrumentalsolisten die Möglichkeit gab, sich gelegentlich zu testen und zu fragen, ob sie die Gabe haben, aus einem gesunden Gaul ein elegantes Pferd zu machen. Unter der Leitung von Alexander Fay begleitete das Collegium diesmal die Klarinettistin Jasmin Lang in einem Satz eines Stamitz-Konzertes. Sie spielte schön und freudvoll.

Auch die Mannheimer Bläserphilharmonie schickte fünf junge Orchestersolisten, um mit dem Collegium zwei Sätze für Orchester und Bläserquintett von Frigyes Hidas zu spielen. Das Orchester genoss die nicht allzu schwierig zu meisternden langsamen Melodien der romantischen Schmusemusik. Auch Wolfgang Hofmann, der kürzlich verstorbene ehemalige Chefdirigent des Kurpfälzischen Kammerorchesters, war ein ehrenwerter Vertreter des zeitgenössischen Retrofuturismus. Seine von Andresen subtil geleitete Kammersinfonie hat einschmeichelnde, fast bukolische Passagen.

Andresens „Pattern“, ein Konzert für den DJ Philipp Barth, Sinfonieorchester und Geräuschechor, verscheuchte den Blues. Die Geräusche machte ein Chor des Mannheimer Lieselotte-Gymnasiums. DJ Barth verzauberte zwei unterschiedlich schnell laufende Plattenteller. Die elektronisch präparierte Gerätschaft erlaubt irrwitzige Tonfarbflächen, die mit den Fingern bizarr und quirlig skandiert werden und die Klassiker das Fürchten lehren. Das Stück hat einen unwiderstehlichen Witz.

Und dann gab es den schöpferischen Absturz in die Musik ohne Jackett. Baltruschat und Stahlhofen sangen süße und saure Songs aus dem regulären Programm der Popforscher. Die Orchesterbearbeitungen hatte Andresen hergestellt. Die Studentin Lilli Neufeld und Alexander Fay fühlten sich im Untergrund sehr wohl. Das Orchester erwachte. Die Rhythmus der Band um Michael Herzer entzündete die Lebenslust. Und dann kam Rohrzangen-Manfred alias Bülent, und schickte die Klassik ziemlich proletarisch und endgültig auf den Mond. Es lebe Mannheim. Vivat Carl Theodor.

© DIE RHEINPFALZ, 06.02.2007


Stamitz trifft Stahlhofen beim Jubiläumsfest

KLASSIK/POP: Der Konzertabend „RundUM Mannheim“ im Capitol wartet mit spektakulären musikalischen Begegnungen auf

Das Collegium musicum (links) spannt im Capitol einen weiten Bogen von der Mannheimer Schule bis zum Soul-Pop von heute: Bei dem Musikspektakel „RundUM Mannheim” sind auch Bülent Ceylan (rechts o.) und Rolf Stahlhofen mit dabei.   Bilder: Tröster/Schwetasch/hf

Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch

Also, die geliebte Stadt wird oder ist jetzt 400 Jahre jung, da kann einem schon einiges dazu einfallen. Denn von der viel gerühmten Mannheimer Schule bis zu den heutigen Pop-Barden spannt sich ein weiter Bogen, unter dem eine Woge der Kreativität in Neckar oder Rhein schwappt und sich über die ebenso fröhlichen wie klug-interessierten Menschen ergießt. Kurzum: Mannem vorne, gerade in der Metropolregion.

Im Musentempel Capitol war die Stimmung glänzend, denn unter der Oberhoheit von Matthies Andresen, diesem umtriebigen Musiker, der tags zuvor in Heidelberg mit seinem neuen Schlagwerkkonzert hatte aufhorchen lassen, zeigte sich einiges, was Rang und Namen hat in der Szene. Von Klassik bis Pop, das mag ein gängiges Schlagwort sein und allzu oft ein unerfülltes Versprechen, hier aber beim „RundUm Mannheim“-Konzert zum Stadtjubiläum hat es funktioniert. Auffällig dabei, dass das Collegium musicum, das Liebhaber-Sinfonieorchester mit studentischen Anteilen, in den Pop-Versionen noch deutlich schöner spielte als bei Carl Stamitz oder Wolfgang Hofmann, deren Werke eher temperamentlos daherkamen. Aber: Jasmin Lang hat im Stamitz-Klarinettenkonzert einen schönen, abgerundeten Klang zu bieten, und das Blechbläserquintett Bravissimo beim Romantiker Frigyes Hidas ein ausgereiftes, glanzvolles Spiel. Mannheim ist Bläserhochburg, das ist sattsam bekannt und alle Lokalpatrioten sind stolz darauf. Zudem hatten Alexander Fay und Lilli Neufeld Gelegenheit, sich dirigierend zu erproben.

Den Schwenk zur aktuellen Szene vollführte mit musikalischer Eleganz der Komponist und Dirigent Matthies Andresen in seinem „Konzert für DJ, Sinfonieorchester und Geräuschechor“. Das vitale Ding mit einem raffiniert die Drehteller ausforschenden Philipp Barth, dem aufgeweckten Chor des Liselotte-Gymnasiums und dem engagiert aufspielenden Collegium musicum zeigt, wie Zeitgeist und „klassische“ Musikbildung unter einen Hut zu bringen sind, ohne sich im kompositorischen Anspruch. etwas zu vergeben. Das bestens gelaunte Publikum, goutierte das attraktive Stück.

Mindestens ebenso sehr brachten nach der Pause die Lokalmatadore die Stimmung auf den gewünschten Siedepunkt. Die Popforscher mit Vorsänger Peter Baltruschat ließen „es geschehen“ im „rätselhaften Mannheim“, und die Arrangements bezogen das große Orchester mit ein. Das staunte nicht schlecht, wie flott ihm der Pop von den Fingern geht, wenn Jeannette Friedrich aus dem neuen Mannheim-Musical von Michael Herzer röhrte (Premiere ist im September), wenn Rolf Stahlhofen sich „Besser jetzt als nie“ in Ekstase sang und wenn schließlich Bülent Ceylan seine jetzt schon legendäre „Pumpewasserzang“ als prächtige Persiflage zum Taktstock umfunktionierte.

„Ich bin Mannheimer“, sagt der charismatische Entertainer – und zumindest an diesem Abend sind es alle Gäste auch.

© Mannheimer Morgen 05.02.2007


Armut „hinterlässt ein süß-saures Gefühl“

Nachdenkliches und Unterhaltsames beim Benefizkonzert für die Vesperkirche

Rund 800 Besucher kamen zur Benefizveranstaltung zugunsten der Vesperkirche. Versteigert wurde an dem der Bildband „Mannheimerleben”. Bild: Proßwitz

„Armut ist beschämend - nicht für die Armen, sondern für das Land, in dem sie leben. Nach dem „2. Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung sind in einer der führenden Industrienationen 13,5 Prozent der Bürger arm - das ist jeder siebte Deutsche. Ablesen lassen sich solche Zahlen auch an dem Zustrom bei der Vesperkirche, zu deren Gunsten ein Benefizkonzert veranstaltet wurde. Noch bis zum 4. Februar erhalten in der Citykirche Konkordien in R 2 täglich Bedürftige eine preisgünstige Mahlzeit für einen Euro.

Begonnen hat es vor zehn Jahren mit 60 Gästen täglich, heute sind es 400. „Das hinterlässt bei mir ein süß-saures Gefühl“, sagt Dekan Günter Eitenmüller nachdenklich beim Benefizkonzert, das rund 800 Besucher angelockt hat. „Ich frage mich, was ist in unserer Stadt los, dass es so viele Arme gibt?“ Am Samstag kommen die Oberbürgermeisterkandidaten Wolfgang Raufeider (Grüne), Peter Kurz (SPD) und Ingo Wellenreuther (CDU) in die Konkordienkirche, da will er ihnen mal „auf den Zahn fühlen“. Während des Konzerts geht er selber mit dem Klingelbeutel herum.

Capitol und Schatzkistl haben die Veranstaltung organisiert, Peter Baltruschat moderiert den Vorabend, der Abwechslungsreiches bereithält. Eröffnet vom Collegium Musicum mit dem Klarinettenkonzert Nr. 3 in B-Dur von Carl Stamitz und dem Konzert für Blechbläserquintett und Orchester von Frigyes Hidas, enthält das Programm kurze Darbietungen diverser Kurpfalz-Künstler, die man nicht lange bitten musste, hier ohne Gage aufzutreten. Das Ensemble Compania Flamenco Solera serviert spanische Leidenschaft und feurigen Tanz, Bodenmikros verstärken das Tackern der Absätze auf den eigens ausgelegten Holzbrettern.

Kabarettistisches bieten Hans-Peter Schwöbel mit einem Loblied auf die „Muddersprooch“ sowie Regina und Hugo Steegmüller mit Kostproben ihrer Musik-Komödie „Alla gut! Verliebt ins Quadrat“ (Piano:Eckhard Stadler). Klangvolle Stimmen ertönen: Denise Modjallal singt ein Stück aus der Capitol-Musical-Produktion „Die Legende von Bomber & Rose“, Silke Hauck intoniert Souliges (Piano: Günther Geiger), Marion La Marche und Gitarrist Stefan Obermeier interpretieren als Duo Two Tight Popsongs. Julia Neigel, begleitet von Joerg Dudys (Gitarre) und Michael Germer (Cajon), entfesselt zum Schluss Begeisterung mit eigenem 'Material wie „Jetzt und hier“ und einer rauschhaften Darbietung von Zuccheros sozialkritischem Blues „Madre dolcissima“. Dazwischen versteigert Baltruschat den Bildband „Mannheimerleben“ der Fotografin Petra Atnold, einige der darin Verewigten sind anwesend, und signieren das Exemplar hernach, darunter Konkordien-Pfarrerin Ilka Sobottke. Den Zuschlag erhält für 110 Euro der Unternehmer Normann Stassen, der noch was drauflegt: Er verdoppelt die 4706 Euro, die bei der Kollekte zusammenkamen.   mik

© Mannheimer Morgen 31.01.2007


Ankunft in Korea

KLASSIK: Preisträgerkonzert der Musikhochschule begeistert

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

40 Preisträger zählte die Musikhochschule Mannheim im vergangenen Jahr. Sie verdienten sich ihre Lorbeeren bei einem hauseigenen Wettbewerb oder bei in- und ausländischen Konkurrenzen. Zu den Ausgezeichneten gehört der Komponist Matthies Andresen. Ein Stipendium führte ihn an die Nationaluniversität Seoul. In der Partitur „Colours of Seoul“ sammelte er die ersten Klang-Eindrücke nach seiner Ankunft am Flughafen. Seine Annäherung an ein fremdes Land konnte das vorwiegend aus Eltern und Mitstudenten bestehende Publikum im Stamitzsaal des Rosengartens nachvollziehen.

Nach chaotischem Beginn sortieren sich Westlich-Vertrautes und Koreanisches auseinander. Das Orchester Collegium Musicum Mannheim und die Bigband Jazz-4-Fun verschafften sich Zugang zu einer exotischen Farbenwelt. Da der Autor selbst dirigierte, dürften die nicht nur verwirrenden, sondern auch schroffen Gewöhnungsphasen beabsichtigt gewesen sein. Damit bestätigte er einen Trend, der während dieses Preisträger-Konzerts fast durchweg zu beobachten war: Die Interpreten gingen energiegeladen zu Werke und ließen sich kaum Zeit zum Atemholen. In-Young Moon deutete Chopins f-Moll-Ballade als Vulkanausbruch. Riesige Wellenberge und irisierende Lichtbrechungen bot Rie Shimada für „Ondine“ aus Ravels „Gaspard de la Nuit“ auf. Die Ballade für Flöte und Klavier, von Frank Martin bekam durch Alessandra Russo und Ave Kruup einen hoch dramatischen Inhalt. Unter den Händen von Sophie Dengel erhielt Prokofiews Toccata eine grausame Besessenheit.

Wandlungsfähigkeit verlangt Erwin Schulhoffs Divertissement für Oboe, Klarinette und Fagott; das Ensemble Aeolus brachte ironische Spiellust und rhythmische Festigkeit mit. Der Cellist Hanaru Yoo fühlte sich in Piazzollas Grand Tango hin und her gerissen zwischen verrauchter Kneipenluft und romantisierender Kammermusik. Ganz und gar auf melodische Feinheiten eingestellt zeigte sich der Hornist Thomas Berrang in Schumanns Adagio und Allegro op. 70. Bewundernswert die saubere, weiche Tongebung im Ausschnitt aus dem ersten Hornkonzert von Richard Strauss.

© Mannheimer Morgen 17.01.2007


Anhang

Ein wenig „Vorausecho“ möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:


Meier, Februar 2007

Zeitungsausschnitt

© Meier, 02/2007


Scala, Februar 2007

Zeitungsausschnitt

© Scala, 02/2007