Presse-Echo 2006

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SCHWEBEN UND SCHWÄRMEN

Opern- und Operettenmelodien in der Mannheimer Konkordienkirche

VON UNSEREM MITARBEITER RAINER KÖHL

Gleich drei musikalische Einrichtungen aus Mannheim führte der junge Dirigent Matthies Andresen zusammen bei einem Konzert in der Konkordienkirche: Gesangssolisten der Musikhochschule, das Sinfonieorchester Collegium Musicum sowie den Kinder- und Jugendchor DoReMi der städtischen Musikschule.

Opern- und Operettenmelodien standen im Zentrum des Programms, schöne Stimmen wurden dazu aufgeboten mit Studenten der Gesangsklasse von Anna Maria Dur. Begleitet vom engagiert aufspielenden Sinfonieorchester Collegium Musicum machte die Mezzosopranistin Heike Heber den Anfang mit der Arie „Parto, ma tu ben mio“ aus Mozarts „La Clemenza di Tito“, brachte dabei den heroischen Ton der Opera seria zum Strahlen.

Ein ganz herausragender Mozart-Interpret ist der junge Tenor Johannes Kaleschke. Für die Arie des Don Ottavio (aus „Don Giovanni“) „Il mio tesoro“ brachte er alles mit, was stilsicheren Mozartklang ausmacht: eine schlanke Stimme von lyrischem Schmelz, weich eingefäbt und mit dem leicht nasalen Timbre, das man mit dieser Partie verbindet. In weich geschwungenen Gesangsbögen ließ Anne Andresen danach die Arie der Wally „Ne andrò lontana“ (aus Catalanis „La Wally“) weiträumig aufblühen. Auch die Spitzentöne saßen gut. Etwas mehr Volumen wäre angebracht gewesen für ihre Interpretation des „Vilja-Lieds“ (aus der „Lustigen Witwe“), das sie zu lieblich klingen ließ.

Eine wunderbare, sehr reine Stimme ließ Jenny Haecker hören mit Lehárs „Meine Lippen, sie küssen so heiß“: reich an schön fruchtig klingender Farbe, erlesenen Valeurs und voller Hingabe. Da geriet auch das von Anne Kruwinnus geleitete Orchester ins Schweben und Schwärmen. Ein ebenso kostbares Timbre brachte Helena Günther zu herrlichem Leuchten in der Arie der Manon „Adieu, notre petite table“ (aus Massenets „Manon“): rein und geschmeidig singend, ließ sie sich selbst von den falschen Bläsertönen nicht irritieren.

Volksliedhaftes klingt aus Kinderstimmen besonders authentisch. Beschwingt und lieblich sang der Kinder- und Jugendchor DoReMi unter Leitung von Annette Großmann das Rossini-Lied „La Carita“, während in dem „Chor der Elfen“ aus Mendelssohns „Sommernachtstraum“ Kinder auch solistisch glänzten. Zwei Ausschnitte aus Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ gab es zum Schluss, dazu wurden alle Mitwirkenden unter Leitung von Matthies Andresen vereint. Das Lied des Sandmanns leuchtete wunderschön im Gesang von Jenny Haecker, schwebende Stimmung hörte man im „Abendsegen“, den Helena Günther und Heike Heber als Hänsel und Gretel sangen, während im Finale die „Kuchenkinder“ des DoReMi-Chores lieblichste Märchenstimmung verbreiteten.

© Mannheimer Morgen 21.06.2006


Starke Klänge für die ganz Schwachen

Mannheims Soulsänger Rolf Stahlhofen erhebt die Stimme und singt für die Schwächsten, die von der Vesperkirche Unterstützung bekommen. Bild: Tröster

Benefizkonzert: Künstler der Region setzen sich für den Erhalt der Vesperkirche ein

Von unserer Mitarbeiterin Christine Altmann

Sie musizierten, sangen, tanzten und trugen Heiteres vor, begeisterten ihr Publikum in der vollbesetzten Konkordienkirche zwei Stunden lang mit einem bunten Programm aus Klassik, Jazz und Soul, aus Literatur und Comedy. Namhafte Künstler aus dem Mannheimer Capitol und dem Schatzkistl waren dem Ruf ihrer Impresarien Thorsten Riehle und Peter Baltruschat gefolgt, um mit ihrem Beitrag eine Einrichtung der evangelischen Kirche zu unterstützen, die seit neun Jahren hilfsbedürftigen Menschen Wärme und Hoffnung bringt - die Vesperkirche.

In der Küche des Neuhermsheimer Thomashauses herrscht derzeit Hochbetrieb; die Töpfe dampfen für die vielen Mahlzeiten, die noch bis zum 5. Februar täglich in Mannheims Citykirche Konkordien geliefert werden. Ein warmes Essen und teilnehmende Ansprache in kalten Wintertagen für all jene Menschen, die in Not geraten sind - das ist die Vesperkirche.

Über hundert ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter helfen derzeit, diese Mut verbreitende Einrichtung der evangelischen Kirche am Leben zu erhalten. „Noch vor neun Jahren haben wir geglaubt, die Armut sei bald überwunden“, berichtete Stadtdekan Günther Eitenmüller von den Anfängen der Vesperkirchenidee. Inzwischen aber sei das Thema schwerwiegender geworden, ereile immer jüngere Menschen, die von Hoffnungslosigkeit geplagt, kaum noch Lebenserwartungen aufbringen.

„Armut darf nicht als selbstverständlich hingenommen werden“, appellierte der Dekan und forderte gemeinsam mit Konkordienpfarrerin Ilka Sobotke auf, alle Notleidenden zu ermutigen, sich ihrer Armut nicht zu schämen. Da viele von den rund 400 notleidenden Vesper-Teilnehmern nicht einmal in der Lage sind, die möglichen ein bis vier Euro für das Essen zu bezahlen, ist der Fortbestand der Vesperkirche auf Unterstützungen angewiesen. Nicht das erste Mal engagierten sich daher zahlreiche Künstler der Region, verzichteten auf ihre Gage und riefen zu Spenden auf.

„We Got Rhythm“ verkündete das Collegium Musicum Sinfonieorchester, das gerade von einer Konzertreise aus Seoul zurück gekommen war. Zusammen mit der Bigband Jazz 4 Fun überraschte es unter der Gesamtleitung von Matthies Andresen durch moderne Farbklänge aus Südkorea und ein swingendes Louis Armstrong-Medley.

Das Mozartjahr geht auch am Schatzkistl nicht vorüber: Aus seinem Programm stellten Heike Theresa Terjung und Brigitte Mark in Lied und Briefen einen Wolfgang Amadeus vor, über dessen Lebensübermut sich Vater Leopold nur wundern würde. Tanz und Leidenschaft vereinten sich in der Compania Flamenco Solera, während der extra aus Rüsselsheim angereiste Kabarettist Frank Fischer die Lachmuskeln strapazierte. Zu den Höhepunkten zählten zweifellos die Sänger des Mannheimer Capitols: Melanie Wittke ließ die Besucher dahinschmelzen mit „That's What Friends Are For“, ebenso wie Sascha Kleinoporst mit einem Song von Robbie Williams, bis dann die Soulstimme Mannheims die Herzen vollends eroberte: Rolf Stahlhofen drehte zu Höchsttouren auf und machte den Abschied von diesem Benefizabend besonders schwer.

Zusammen mit einem Scheck über 5000 Euro der MVV-Energie, die damit ihrer sozialen Verantwortung Ausdruck verleihen wollte, konnte Moderator Peter Baltruschat eine Spendensumme aus der Veranstaltung von über 10 000 Euro bekannt geben.

© Mannheimer Morgen 24.01.2006