Presse-Echo 2002

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MUSIK: Mannheims Collegium musicum auf gutem Weg

Als „Collegium musicum Mannheim“ haben sich im Oktober Schulmusikstudenten der Musikhochschule und engagierte Laien-Instrumentalisten zusammengetan, um gemeinsam Programme zu erarbeiten und jungen Dirigenten aus den Schulmusik-Studiengängen der Hochschule die Möglichkeit zu geben, mit einem Orchester zu proben.

Jetzt hat Matthies Andresen das Collegium musicum übernommen, da Franz Zimnol aus beruflichen Gründen die Leitung abgeben musste. Inzwischen, so berichtet der Student von Peter Braschkat (Dirigieren) und Ulrich Leyendecker (Komposition), habe sich das Orchester recht viel versprechend entwickelt, auch dank der Tatsache, dass es von der Hochschule inzwischen als hauseigenes Ensemble anerkannt sei. Willkommen seien aber nach wie vor ambitionierte Amateure, die Lust haben, unter professionellen Bedingungen anspruchsvolle Werke zu erarbeiten.

Dazu gehören auch, wie Matthies Andresen jetzt gegenüber unserer Zeitung erläuterte, nicht nur die Werke des klassischen Repertoires, sondern auch Ausflüge in die Moderne bis hin zur Filmmusik. Zusammen mit zwei weiteren jungen Dirigenten möchte er das Repertoire des Collegium so breit wie möglich halten.

Jetzt erst einmal steht aber Dvoaks achte Sinfonie auf dem Programm, die an einem Probenwochende am 12.und 13. Januar erarbeitet wird. Das erste Konzert des Collegiums ist für den 19. Januar in der Mannheimer Schlosskirche angesetzt. Wer sich für das Orchester interessiert und mitspielen möchte, kann sich an Matthies Andresen direkt wenden (Telefon: 0179/40 10 303; E-mail: Matthies-A@yahoo.com), das Collegium probt jeden Montag von 19.15 bis 21.30 Uhr im Raum 407 der Musikhochschule.

© Mannheimer Morgen — 10.01.2002


Spaß an der Herausforderung

KONZERT: Collegium musicum in Mannheimer Schlosskirche

Zwischen Weihnachtsbaum und Krippe gab der Orchester-Neuling der Mannheimer Musikhochschule sein erstes Konzert in der Schlosskirche. Die so genannten Laien, die eingeladen sind, in diesem Collegium musicum mitzuspielen, waren allenfalls aufgrund des Altersunterschiedes zu den Studenten zu erkennen. Aber ihr Motto „Spaß am Niveau“ verbindet sie zu einem strapazierfähigen Klangkörper, dem die angehenden Dirigenten aus der Abteilung Schulmusik allerhand zumuten können, wenn sie praktische Erfahrungen während der Proben und Aufführungen sammeln. Der Lernprozess ist das Ziel; Perfektion wird nicht auf Anhieb erwartet.

In dem Concerto für Orgel und Orchester von Wolfgang Hofmann, der übrigens im Publikum saß, verstand es Jens Holzinger, die Stimmen der Orgel und der ausgezeichneten Blechbläser in einem herrlich gelösten, gleichwohl rhythmisch exakten Dialog zu verweben, den impressionistische Streicherfarben unterbrechen. Bernd Braun am Manual führte das Zwiegespräch mit fanfarenartigen und tänzerischen Vorgaben souverän an. Dominik Scheider stellte sich als Leiter des Klarinettenkonzerts von Mozart der schwierigen Aufgabe, den auf das Äußerste zugespitzten Kontrasten gerecht zu werden. Dank einer angemessenen Wahl des Tempos setzte er die heiteren Ecksätze und das tiefsinnig-melancholische Adagio bedachtsam in eine inhaltliche Beziehung zueinander, so dass der formale Bogen vom Anfang bis zum Ende nie unterbrochen wurde und den Streichern auch in den Allegro-Teilen viel Raum für Subtiles blieb. Der Solist Maximilian Fütterer konnte in den weit gespannten Kantilenen ebenso glänzen wie in den schnellen Passagen und Figurationen.

Als Dirigent der achten Sinfonie von Dvorák konzentrierte sich Matthies Andresen besonders auf die instrumentalen Feinheiten, die als ein aus vielen Partikeln zusammengesetztes Mosaik hörbar wurden. Hier fiel vor allem der runde, ausgefeilte Klang der Holzbläser auf. Im Allegretto grazioso widmete Andresen sich aufmerksam dem Fluss des Melodiösen. Der erste und vierte Satz zeigten, dass er auch energisch zupacken kann.

Die zahlreichen Zuhörer hatten allen Grund, dem Orchester und seinen Leitern zu dieser Premiere herzlich zu gratulieren. Auch sie dürften ihren „Spaß am Niveau“, das heißt: an den anspruchsvollen und bestandenen Herausforderungen der Kompositionen, gehabt haben. ML

© Mannheimer Morgen — 21.01.2002


Romantisches, jazziges Saxofon

KONZERT: Das Collegium musicum in Mannheim

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Vor der Pause wurde der Beifall des schnell begeisterten Publikums zwischen den Sätzen der Sinfonischen Tänze von Grieg abgeblockt. Nach der Pause durfte jedes Solo mitten im Spiel bejubelt werden. So wandeln sich Applaus-Sitten, wenn die so genannte E-Musik und der Jazz sich einen Abend teilen. Im Jüdischen Gemeindezentrum Mannheim trafen sich das Collegium musicum der Musikhochschule und die Jazz Band der Musikschule zur abschließenden Harlem Suite von Duke Ellington.

Das Collegium musicum verdankt seine Gründung dem Bedarf an Versuchskaninchen, die angehenden Dirigenten helfen, Erfahrungen mit einem Orchester zu sammeln. Wie bei der Premiere im Januar stand wieder die Komposition eines Mannheimer Komponisten am Beginn. Die „Konfrontationen“ von Hanno Haag, der unter den Zuhörern saß, gestaltete Matthies Andresen am Pult als Momente gespannten Innehaltens und gewaltiger Entladungen. Während des scheinbaren Stillstandes in den Sätzen „Erwartung“ und „Nachdenken“ brauten sich schon die Gewitterwolken der „Krisis“ zusammen. Andresen leitete auch Glasunows Konzert für Altsaxofon und Orchester, das sich als romantischer Fingerzeig auf das kommende Jazz-Kapitel empfahl. Die Interpretation war auf die klangliche Faszination und kontrapunktischen Finessen des kurzen, bündigen Werks ausgerichtet. Die Saxofonistin Sandra Leonie Ritter kam dem „russischen Brahms“ mit einem apart rauchigen Ton in der tiefen Lage, einem edel schwingenden Mittelregister und watteweicher Klarheit in den höchsten Tönen entgegen. Für Griegs Sinfonische Tänze übernahm Bernhard Sommer den Dirigierstab, um aus den kammermusikalischen Volksmelodien immer wieder orchestrale Höhepunkte zu entwickeln. Während Sommer darauf achtete, dass sich die Violinen gegen die Blechbläser selbst bei massivem Einsatz gleichberechtigt behaupten konnten, wies Christoph Janz dem Streichorchester in der Harlem Suite nur eine Statistenrolle zu. In dieser brodelnden, tosenden Stil- und Stimmungsmixtur war offenbar kein Platz für das klassische Element und die fantasievolle Farben-Architektur Duke Ellingtons.

Ein Auftritt gehörte der Band „Jazz 4 Fun“ ganz alleine. Bernd Ballreich stellte die Kompositionen, darunter Arrangements von Peter Herbolzheimer, und die Solisten einzeln vor. Die zeichneten sich durch herzhaft erfrischenden Swing aus und getrauten sich auch, ein bisschen sentimental zu sein - abgesehen von dem entfesselten Egotrip des Schlagzeugers.

© Mannheimer Morgen — 19.06.2002